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Knock-Out-Zertifikate und Hebelprodukte einfach erklärt – Mit wenig Einsatz hohe Gewinne erzielen

In diesem Beitrag erkläre ich, was Zertifikate und Knock-Out-Grenzen sind. Mit gehebelten Zertifikaten nimmst du stärker an Kursbewegungen teil und kannst in kurzer Zeit hohe Gewinne erzielen. Gleichzeitig ist der Handel mit Zertifikaten deutlich risikoreicher als einfache Aktienkäufe.

Knock-Out-Zertifikate und Hebelprodukte erklärt

Was sind Zertifikate?

Zertifikate gehören zu den sogenannte “derivativen” Finanzprodukten (to derivate = abgeleitet). Zertifikaten leiten ihren Wert von einem Basiswert ab.

Dieser Basiswert kann so ziemlich jedes Wertpapier sein, das du an der Börse handeln kannst: Aktien, Rohstoffe, Indizes, Währungen usw.

Verändert sich der Wert des Basiswertes (zum Beispiel der Kurs einer Aktie), verändert sich auch der Wert deines Zertifikats.

Wie sich der Wert deines Derivates im Verhältnis zum Basiswert verändert, hängt von der Art deines Zertifikats ab.

Mit Zertifikaten spekulierst du auf steigende (long) oder fallende (short) Kurse und profitierst von der Entwicklung ggfs. mehrfach (durch Hebel), wenn du richtig liegst. Der Anlagehorizont bei Zertifikaten ist in der Regel mit wenigen Tagen bis Wochen kurzfristig und gehst ein erhöhtes Risiko mit deinem Investment ein.

Was ist der Unterschied zwischen short und long-Produkten?

Mit Zertifikaten kannst du nicht nur von steigenden Kursen (long), sondern auch von fallenden Kursen (short) profitieren:

  • long = Mit Long-Produkten kannst du auf steigende Kurse wetten: Steigt der Wert des Basiswertes, steigt auch der Wert deines Zertifikats.
  • short = Mit Short-Produkten kannst du auf fallende Kurse wetten: Fällt der Wert des Basiswertes, steigt der Wert deines Zertifikats.

Was sind gehebelte Zertifikate?

Ein long-Zertifikat, das den Basiswert 1:1 abbildet, macht in der Regel wenig Sinn. Denn dann könntest du zu geringeren Kosten direkt den Basiswert kaufen.

Was Zertifikate so beliebt macht, ist die Möglichkeit, sie mit einem “Hebel” kaufen. Das bedeutet, dass sich der Wert deines Zertifikates gegenüber des Basiswertes um ein Vielfaches verändert. Du kaufst also eine Aktie mit einer Art Kredit und erhöhst so deinen eigentlichen Einsatz und profitierst somit stärker von Kursbewegungen.

Beispiel:

Du kaufst ein 4x gehebeltes Zertifikat (long) auf eine Amazon-Aktie.

Wenn der Aktienkurs von Amazon um 1% steigt, steigt der Wert deines Zertifikates um 4% (also 4x). Fällt der Kurs von Amazon um 1%, fällt der Wert deines Zertifikats um 4%.

Ein weiterer Vorteil des Zertifikathandels ist das Bezugsverhältnis. Damit kannst du beispielsweise anteilig in einen teuren Wert investieren – ähnlichen wie bei Fractional Shares. Investierst du beispielsweise in ein Zeritifkate auf die Amazon-Aktie (2.000€) mit einem Bezugsverhältnis von 0,1, investierst du in 1/10 der Aktie investieren, wenn du ein Zertifikat kaufst (für rund 200€).

Was ist eine Knock-Out Grenze und was sind Knock-Out-Zertifikate?

Bei zahlreichen Brokern, wie beispielsweise Trade Republic, kannst du verschiedene derivative Finanzprodukte handeln. Eines der beliebtesten Zertifikat-Produkte sind Knock-Out-Zertifikate. Wie der Name bereits vermuten lässt, haben diese eine Knock-Out-Grenze, die die Laufzeit des Zertifikats beschränkt:

  • Wenn du ein Long-Zertifikat mit Knock-Out Grenze kaufst, endet die Gültigkeit dieses Long-Zertifikats, wenn der Wert des Basiswertes unter eine bestimmte Grenze fällt.
  • Wenn du ein Short-Zertifikat mit Knock-Out Grenze kaufst, endet die Gültigkeit deines Zertifikats, wenn der Basiswert eine bestimmte Obergrenze überschreitet.

Endet die Gütligkeit deines Zertifikats, erleidest du einen Totalverlust. Dein Zertifikat wird wertlos.

Auch wenn es angesichts eines Totalverlusts komisch erscheint, begrenzen Knock-Out-Grenzen dein Risiko. Denn die Knock-Out-Grenze verhindert, dass du mehr als deinen Einsatz verlieren kannst.

Derivate (wie beispielsweise Optionen oder Futures) ohne Knock-Out-Grenze arbeiten dagegen mit einer “Nachschusspflicht” oder einem Margin-Call, bei dem du über deinen Ersteinsatz hinaus Geld verlieren kannst, wenn du die Gültigkeit deines Zertifikat aufrecht erhalten willst.

Die Knock-Out Grenze wird täglich von deinem Broker angepasst, um seine laufende Kosten zu decken. Je länger du ein Zertifikat hältst, desto eher arbeitet “die Zeit gegen dich”. Deshalb solltest du bei längerer Haltedauer stets dein Zertifikat im Auge behalten.

Reale WerteDerivate (abgeleitete) Werte
Aktien, Rohstoffe, Indizes, Fonds, ETFsCFDs;ZertifikateOptionsscheineOptionenFutures
auf: Aktien, Indizes, Futures, Devisten, Rohstolle, Zinsenauf: reale Werte und Ereignisse (z.B. Wetterzertifikate)auf: Aktien, Anleihen, Devisen, Rohstoffe, Indizesauf: Aktien, Indizes, Zinsen, Devisen, Futuresauf: Zinsen, Indizes, Devisen
kein Hebelmit oder ohne Hebelmit Hebel
Totalverlustrisiko (Kapitalverlust bregrenzt auf Einsatz)Totalverlust + Nachschusspflicht

Überblick über die Bestandteile eines Zertifikats

  • Basiswert  = z.B. eine Aktie, ein Rohstoff, etc.
  • Strike-Kurs = Knock-Out-Grenze, Finanzierung
  • Hebel = Faktor zum Basiswert
  • Typ = Long (steigende Kurse) oder Short (fallende Kurse)
  • Bezugsverhältnis = Liegt das Bezugsverhältnis beispielsweise unter 1, kannst du anteilig in den Basiswert investieren.

Beispiel eines Zertifikats auf die Aktie SAP (Open-End-Turbo, Long, 4x)

  • Basiswert = 125,62 € (Kurs der Aktie SAP)
  • Hebel = 4,02
  • Strike / Knock-Out = 95,14 €
  • Bezugsverhältnis = 0,1
  • Anzahl der Zertifikate = 100
  • zusätzliche Fremdkosten und Produktkosten hier unberücksichtigt

 

Knock-Out-Zertifikate kaufen bei Trade Republic

Mit folgender Formel lässt sich nun der Wert deines Zertifikats berechnen

(Basiswert – Strike) * Bezugsverhältnis * Anzahl der Zertifikate = Wert deiner Position

Der Wert von 100 der Zertifikat auf SAP (oben) berechnet sich damit wie folgt:

(125,62 – 95,14) * 0,1 * 100  = 304,08€

Steigt die SAP-Aktie nun um 10% auf 138,18€, verändert sich der Wert deines Zertifikats wie folgt:

(138,18 – 95,14) * 0,1 * 100 = 430,40 €

Mit einem +10% der SAP-Aktie hast du also +40% (da Hebel 4,1) Rendite erwirtschaftet.

Sinkt der Basiswert allerdings auf 95,14€ oder darunter sieht die Rechnung wie folgt aus

(95,14-95,14) * 0,1 * 100 = 0€

In diesem Fall hättest du einen Totalverlust erlitten. Dein Zertifikat ist wertlos und 0€ wert, auch wenn der Kurs von SAP wieder nachträglich über 95,14€ steigt.

Was sind Open-End-Turbos und Mini-Futures? Und wo sind die Unterschiede?

Open-End-Turbos und Mini-Futures sind sogenannte Open-End-Produkte und verfügen eine unbegrenzte Laufzeit – bis du deine Position schließt.

Bei Mini-Futures gibt es jedoch eine “Stop-Loss-Schwelle”, die der Knock-Out-Grenze vorgelagert ist. Damit wird deine Position vor einem Totalverlust geschlossen und du erhältst einen geringen Restbetrag wieder ausgezahlt.

In volatilen Marktphasen kann dein Zertifikat-Herausgeber die Position aber möglicherweise nicht zur Stop-Loss-Schwelle schließen und ein Totalverlust deines Kapitals ist auch hier möglich.

Bei Open-End-Turbos gibt es diese Stop-Loss-Schwelle nicht. Haben wir also einen Mini Future und einen Open End-Turbo mit dem gleichen Basispreis, wird der Mini-Future aufgrund der vorgelagerten Knock-out-Barriere und dem damit in der Regel nicht vorhandenen Aufgeld günstiger sein als der Open-End-Turbo. Mini Future Zertifikate bieten dafür einen höhere Hebel.

Achtung: Je Nach Herausgeber des Zertifikats variieren auch die Spreads von Knock-out Zertifikaten. Es kann also sein, dass du mit dem Kauf eines Zertifikats schon von Anfang mit mehreren Prozent im Minus startest.

Was ist das Emittenten-Risiko bei Zertifikaten?

Zertifikate sind keine Anteilsscheine, wie beispielsweise Aktien. Du bist also nicht Besitzer eines Basiswerts, sondern lediglich “Vertragspartei”, wenn du ein Zertifikat kaufst. Geht beispielsweise dein Broker oder der Zertifikatsherausgeber (im Falle von Trade Republic ist das HSBC) insolvent, kann dieser “Wettschulden” durch Zertifikate nicht begleichen und du erleidest ebenfalls einen Totalverlust, auch wenn dein Zertifikat eigentlich noch gültig ist. Weil die Solvenz des Emittenten deines Zertifikats also ein zusätzliches Risiko für dich ist, heißt dieses Risiko Emittentenrisiko.

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