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Nachhaltigkeit bei der Geldanlage: Wie sieht ein grünes Depot aus?

Du möchtest Fonds oder Aktien kaufen und gleichzeitig etwas für die Umwelt oder die Gesellschaft tun? Genau das versprechen nachhaltige Finanzprodukte. Inzwischen gibt es sowohl aktive Fonds und ETFs – und natürlich Aktien von nachhaltig wirtschafteten Unternehmen – die mit einem grünen Image daherkommen. Hier erkläre ich, auf was du beim nachhaltigen Investieren achten solltest.

Solaranlage und Windrad in einer Schneelandschaft. Symbolbild für nachhaltiges Investieren.
Beim nachhaltigen Investieren geht es nicht nur um Umweltaspekte, sondern auch um soziale oder moralische Fragen. Viele Investoren schließen beispielsweise Unternehmen, die Gewinne mit Waffen oder Kinderarbeit machen, aus.

Wie sehen nachhaltige Investmentstrategien aus?

Nachhaltigkeit ist in der Finanzwelt ein ungenauer Begriff. Wo fängt nachhaltiges Investieren an, wo hört es auf? Sind Mischfonds, die nachhaltig wirtschaftende Unternehmen enthalten, auch nachhaltig, wenn sie andere, nicht nachhaltig wirtschaftende Unternehmen enthalten? Wie du vielleicht schon geahnt hast, lassen sich diese Fragen nicht eindeutig beantworten. Vielmehr kommt es auf deine persönlichen Prinzipien an: Was ist dir besonders wichtig? Oder welche Branchen willst du auf keinen Fall unterstützen?

Grundsätzlich lassen sich dabei vier grüne Investmentstrategien unterscheiden:

1. Investieren mit Ausschlusskriterien

Bei dieser Strategie investieren Anleger in Investmentfonds, ETFs oder auch in Einzelaktien nicht in Unternehmen, die ihre Gewinne zum Beispiel mit Waffen, Atomkraft, Ausbeutung oder Kinderarbeit verdienen. Je nach dem, welche individuellen Maßstäbe ein Anleger an sein Investment anlegt, können auch bestimmte Länder aus dem Portfolio herausfallen (wie beispielsweise China oder Russland aufgrund ihrer politischen Entscheidungen).

2. Gezieltes Investieren

Hier investieren Anleger gezielt in nachhaltig wirtschaftende Unternehmen, Fonds oder Branchen aus einem bestimmten Bereich. Beliebt sind zum Beispiel Investments in die Branche erneuerbare Energien. Bei Indexfonds helfen häufig Siegel bei der Orientierung (siehe unten).

3. Best-in-Class

Mit dieser Strategie investieren Anleger in erster Linie in Firmen, die in ihrer Branche in Sachen Umwelt- oder Sozialstandards eine Vorreiterrolle einnehmen.

4. Investieren nach Engagement-Kriterien

Hier investieren Anleger in Fondsgesellschaft, die in den direkten Dialog mit den Aktiengesellschaften geht oder sein Aktionärsstimmrecht dazu nutzt, um Umwelt- oder Sozialstandards in die Unternehmenspolitik einzufordern.

Die Frage nach der Transparenz

Wahrscheinlich hast du dich bei den oben genannten Strategien bereits gefragt, woran zu erkennen ist, ob ein Unternehmen nachhaltig wirtschaftet oder ob ein ETF wirklich ausschließlich in nachhaltige Unternehmen investiert. Denn in den allermeisten Fällen ist es auf den ersten Blick nicht zu erkennen, wie nachhaltig ein Finanzprodukt oder ein Unternehmen wirklich ist. Außerdem kann auch das Marketing eines Finanzprodukts irreführend sein und Produkte als nachhaltig deklarieren, die es eigentlich gar nicht sind. Erschwerend kommt hinzu, dass der Begriff Nachhaltigkeit nicht geschützt ist und es keine rechtlichen Regeln gibt, ab wann sich zum Beispiel ein Fonds nachhaltig nennen darf.

Siegel sollen Anlegern Orientierung geben

In der Finanzwelt sollen die “ESG”-Kriterien für Nachhaltigkeitsstandards sorgen.

  • E steht für Environment
  • S steht für Social
  • G steht für Governance

Die Kriterien sollen eine nachhaltig ausgelegte Unternehmensführung kennzeichnen. Aus diesen Kriterien abgeleitet sind die gängigsten Nachhaltigkeitssiegel und -indizes:

Das FNG-Siegel (Forum Nachhaltige Geldanlagen) erhalten Fondsanbieter, wenn sie unter anderem nachweisen, dass 90 Prozent der Titel im Portfolio nach ESG-Kriterien (siehe oben) analysiert sind. Unternehmen sind tabu, wenn sie mit Waffen oder Atomkraft Geld verdienen oder gegen Menschenrechte oder Umweltschutz verstoßen.

Für das ECOreporter-Siegel wurde sowohl das Nachhaltigkeitsprofil untersucht, das der jeweilige Produktanbieter für sich definiert hat, als auch, ob er diese Kriterien tatsächlich erfüllt.

Der Dax 50 ESG-Index enthält die nachhaltigsten Unternehmen aus dem HDax, der rund 100 Werten aus Dax, MDax und TecDax umfasst. Bei der Indexerstellung werden die Ausschlusskriterien angewandt, die den “UN Global Compact”-Prinzipien folgen und außerdem Waffen, Tabak, Kohle, Kernkraft und militärische Produkte ausschließen. Aus den verbleibenden Werten wird eine Rangliste gebildet – nach Marktkapitalisierung, Börsenumsatz und ESG-Bewertung. Von dieser Liste werden die Top-50-Werte für den ESG-Index ausgewählt.

Die Indexfamilie Dow Jones Sustainability Indices besteht aus insgesamt 40 Indizes mit unterschiedlichen Ausrichtungen auf bestimmte Länder und Regionen. Hier werden nur börsennotierte Unternehmen gelistet, die bestimmte ökonomische, ökologische und soziale Kriterien erfüllen.

Auch wenn diese Siegel ein umfassendes Versprechen abgeben, solltest du dich nicht vollends auf sie verlassen. Vielmehr solltest du eigenständig einen gewissen Rechercheaufwand investieren, und verstehen, in was du investierst – das gilt natürlich auch für jedes andere Finanzprodukt. Denn die meisten Unternehmen haben kein homogenes Geschäftsmodell, sondern beziehen Umsätze aus verschiedenen Quellen und Geschäftsbereichen. Viele Energieunternehmen haben zum Beispiel eine Öl- und eine Solarsparte. Organisationen, die Nachhaltigkeitssiegel vergeben, definieren deshalb oft Grenzwerte für die umstrittenen Geschäftsbereiche. Um die Kriterien eines Siegels zu erfüllen, könnte eine Organisation etwa fordern, dass die im Portfolio enthaltenen Firmen höchstens fünf Prozent ihrer Umsätze mit der Herstellung von Waffen erzielen.

5 Fragen, die du dir vor deinem grünen Investment stellen solltest

Nachhaltigkeitssiegel können dich bei der Identifikation für einen passenden Investmentfonds, einen ETF, eine eine Anleihe oder das passende Unternehmen unterstützen.

  • Hat der Fonds ein Siegel? Wenn ja, welches?
  • Welche Kriterien muss der Fonds oder das Unternehmen erfüllen, um das Siegel zu erhalten?
  • Welche Bestandteile/einzelne Unternehmen sind in dem Fonds vertreten?
  • Welche Anlagestrategie und welchen Nachhaltigkeitsansatz verfolgt der Fonds?
  • Wie breit ist das Finanzprodukt diversifiziert? Passt das Produkt in mein Risikoprofil?

Nichtsdestotrotz solltest du dich nie allein auf ein Siegel verlassen, sondern auch verstehen in was du genau investierst.

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