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Notgroschen: Wie hoch sollte er sein?

Dein Notgroschen schützt dich vor finanziellen Notlagen. Er hilft dir, unerwartete Ereignisse zu bewältigen. Wo du ihn anlegst und wie hoch er sein sollte, erfährst du hier.

Wie hoch sollte dein Notgroschen sein - Symbolbild Maßband

Was ist ein Notgroschen?

Dein Notgroschen ist ein Geldbetrag, den du auf deinem Tages- oder Festgeldkonto parkst, um teure, unerwartete Ausgaben zu decken.

Das könnten zum Beispiel sein:

  • medizinische Notfälle (beispielsweise im Urlaub)
  • größere Autoreparatur
  • unerwartete Reisekosten
  • plötzliche Arbeitslosigkeit
  • Reparaturen an deinem Haus oder deiner Wohnung

Warum du eine Rücklage angespart haben solltest

Dein Notgroschen schützt dich vor finanziellen Notlagen.

In finanziellen Notlagen könntest du natürlich einen Kredit aufnehmen. Aber zu welchen Kosten? Ein Dispokredit kostet nicht selten über 10% im Jahr. Und für gängige Ratenkredite ist deine Verhandlungssituation in einer Notsituation schlecht. Ohne Rücklagen erhältst du schlechtere Konditionen bei deiner Bank.

Mit einem Notgroschen kannst du stattdessen sorgenlos in die Zukunft blicken, denn du bist abgesichert.

Idealerweise liegt das Geld sogar auf einem anderen Bankkonto als deinem Girokonto und du rührst es nur im Notfall an.

Wie hoch sollte dein Notgroschen sein?

in Kurz: Zwischen 3-6 Netto-Monatsgehältern.

in Lang: Die Höhe deines Notgroschen hängt von deinen individuellen Lebensumständen und deinem Risikoempfinden ab. Ein guter Richtwert liefert das Fallbeispiel Jobverlust. Stell dir vor, dass du von heute auf morgen deinen Job verlierst und du damit kein Einkommen mehr hast. Mit deinem Notgroschen solltest du deine monatlichen Lebenshaltungskosten für sechs Monate decken können. Denn so lange kann es im Zweifel dauern, bis du einen neuen Job hast.

Dein Arbeitslosengeld ist dann eine zusätzliche Erleichterung und sichert deinen Lebensstandard zusätzlich ab.

Beispiel: Wie berechnest du deinen Notgroschen?

Miete und Nebenkosten1.000 €
Auto250 €
Versicherungen300 €
Lebensmittel350 €
Telefon & Internet30 €
Sonstige Ausgaben / Puffer100 €
Gesamt2.030 €
x 3 Monate Sicherheit (für geringes Sicherheitsempfinden)6.090 €
x 6 Monate Sicherheit (für hohes Sicherheitempfinden)12.180 €

Solltest du deinen Notgroschen anlegen. Und wenn ja, wie?

Wenn du dir das magische Dreieck der Geldanlage vor Augen hältst, sollte dein Notgroschen …

  • Risikoarm sein: Deine Rücklage muss dir jederzeit zur Verfügung stehen. Damit fallen schwankende ETFs oder Aktien schonmal raus.
  • sehr liquide sein: Du musst im Notfall schnell auf dein Geld zugreifen können.
  • Rendite erzielen (oder zumindest nicht schrumpfen): Das gemeine Girokonto zahlt keine oder sogar Negativ-Zinsen auf deine Einlagen.

Sicher und flexibel sollte dein Notgrosche angelegt sein. Das Tagesgeldkonto ist damit eine gute Wahl. Das ist im Normallfall kostenlos und zahlt zumindest einen kleinen Zinsbetrag. Außerdem sind bei deutschen Banken deine Ersparnisse per Einlagensicherung (bis zu 100.000 Euro) im Insolvenzfall deiner Bank geschützt.

Warum solltest du deine Rücklage nicht an der Börse investieren?

Stell dir vor, dass du auf Basis deiner Lebenshaltungskosten eine Rücklage von 10.000 Euro aufbauen solltest.

Um das Geld möglichst effizient anzulegen, hast du dich für einen ETF auf den MSCI-World entschieden. Deine Geldanlage erreicht die 10.000 Euro auch deutlich früher als geplant. Das klingt erstmal ganz gut.

Was passiert jedoch, wenn die Börsen crashen und sich dein Portfoliowert von heute auf morgen um 30 Prozent reduziert? Dann hast du plötzlich nur noch 7.000 Euro. Falls morgen dein Auto kaputtgeht oder du deinen Job verlierst, musst du deine ETF-Anteile mit hohen Verlusten verkaufen und für die Differenz einen Kredit aufnehmen.

Aus diesem Grund: Geld, dass für die Altersvorsorge bestimmt ist, solltest du breit gestreut in ETFs investieren. Den Notgroschen, den du für Notfälle brauchst, gehört in risikoarme Anlageklassen – wenn kein Tagesgeldkonto dann zumindest risikoarme Anlageklassen wie Bundesanleihen.

Fazit: Jeder sollte sich auf das Unerwartete vorbereiten.

Mit deinem Notgroschen machst du den Unterschied zwischen einer kurzfristigen finanziellen Durststrecke und einer teuren Verschuldung.

Wie sollst du anfangen?

Ganz einfach. Schnapp dir meine Haushaltsbuchvorlage und verschaffe dir einen Überblick über deine Finanzen. Im nächsten Schritt bestimmst du deine monatlichen Lebenshaltungskosten und fängst an deinen Notgroschen aufzubauen.

Wichtig ist, dass du das Sparen automatisierst. Ansonsten passiert es immer wieder, dass du in die Versuchung kommst, das Geld einfach auszugeben.

Arbeite im Optimalfall mit einem 2-Konto-Modell oder einem Mehrkontenmodell.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Sehe ich anders. Wenn man etwas Geld hat und ein ordentliche Sparquote im Monat, kann man gerne all-in sein. 2-3000 Euro am Konto. Time in the market….

    Viele Ausgaben kündigen sich an, bevorstehende Autokauf, TÜV, Urlaub, Weihnachtsgeschenke,… Da dann etwas mehr Kapital aufbauen.

    Wenn man wirklich unerwartet etwas mehr Geld braucht und das genau im Börsencrash, sollte man die Monate eben mit Konsumkredit (eher Not Kredit oder Depot-Schon-Kredit) überbrücken.

    Meine Strategie des 90% Divi-Depot kommt meiner Strategie entgegen. Wenn unerwartete Ausgaben anstehen, die Divis nicht reinvestieren sondern dann „verkonsumieren“. Wenn man brauchbar verdient, das Depot und die Divis ansehnlich sind und man seine Fixkosten immer möglichst gering haltet, dann immer all-in.

    Allen gute Invests!

  2. Hi Manu,

    schöner Artikel über den Notgroschen. Gerade bei volatilen Märkten lässt mich das Geld unter dem Kopfkissen immer ein bisschen besser schlafen – weil ich weiß, dass ich jetzt nicht verkaufen MUSS, wenn etwas unerwartetes eintreten sollte.

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