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Vermögensschutz durch Ehevertrag: Wie du deine Kryptos im Falle einer Scheidung schützt

Beim Vermögenaufbau wird häufig der Vermögensschutz vernachlässigtinsbesondere in der Ehe. Der Scheidungsfall ist eine große Gefahr für dein Vermögen. Dennoch machen sich die meisten Ehepaare über die Sicherung ihres Vermögens keine Gedanken. Was du zum Vermögensschutz in der Ehe wissen musst und wie du dein Krypto-Vermögen im Scheidungsfall schützen kannst, erkläre ich hier.

Vermögensschutz im Scheidungsfall, Kryptowährungen

Die Grundlagen: Was besagt das Gesetz?

Unsere Gesetze haben klare Regelungen über die Vermögensaufteilung im Falle einer Scheidung. Wie es aber mit allgemein gehaltenen Vorgaben so ist, führen sie nicht in jeder Situation zu gerechten Ergebnissen.

Werden vor oder während der Ehezeit keinerlei Vereinbarungen über die vermögensrechtlichen Folgen einer Scheidung getroffen, treten die Ehepartner in den gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft.

Beim Güterstand der Zugewinngemeinschaft bleibt sämtliches, von den Eheleuten innerhalb der Ehezeit angeschafftes Vermögen zwar getrennt – jeder wirtschaftet somit für sich allein. Allerdings besteht im Falle einer Scheidung die Möglichkeit, einen Zugewinnausgleich durchzuführen. Im Rahmen dieses Ausgleichs wird das Anfangs- und das Endvermögen beider Ehegatten miteinander verrechnet und die Differenz zwischen den beiden Vermögensmassen hälftig zwischen ihnen aufgeteilt.

Das Anfangsvermögen meint dabei das Vermögen zum Zeitpunkt der Eheschließung. Für das Endvermögen ist der Zeitpunkt maßgeblich, zu welchem der eingereichte Scheidungsantrag eines Ehegatten durch das Gericht dem anderen zugestellt wird (sog. Rechtshängigkeit).

Welche Vermögenswerte fallen unter den Zugewinnausgleich?

Das Vermögen umfasst Barmittel, Bankguthaben, Immobilien, Unternehmen, Wertpapiere und auch Kryptowährungen. Folglich werden also auch wertsteigende Investitionen mitberücksichtigt. Dabei ist wichtig zu unterscheiden, dass nicht die bloße Investition in Kryptowährungen einen Zugewinn darstellt, sondern nur ihre Wertsteigerung.

Hat ein Ehegatte vor oder in der Ehezeit beispielsweise in Bitcoin investiert und ist der Bitcoin gestiegen, so wird der Gewinn als Zugewinn im Endvermögen angerechnet.

Gleichzeitig fungiert ein Wertverlust des Bitcoins aber auch als Abzugsposten im Rahmen der Berechnung der Vermögenswerte.

Zu beachten ist außerdem, dass nicht die Kryptos per se aufgeteilt werden, sondern dass nur ein Ausgleich in Geld erfolgt.

Hierzu ein stark vereinfachtes Rechenbeispiel:

Tim und Laura beschließen zu heiraten. Tim hat ein Anfangsvermögen von 20.000 €. Bei Laura sind es 10.000 €. Sie treten mit der Eheschließung automatisch in den gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Wider Erwarten lassen sie sich nach einigen Jahren der Ehe scheiden.

Zum Zeitpunkt der Zustellung des Scheidungsantrags hat Tim ein Endvermögen von 30.000€. Laura, die mit ihrem Geld geschickt umgegangen ist, befindet sich bei 50.000€ Endvermögen.

Für Tim ergibt sich somit ein Zugewinn von 10.000 €. Bei Laura sind es 40.000 €. Die Differenz beider Vermögensmassen beträgt 30.000 €, wovon Laura dem Tim die Hälfte – sprich 15.000 € – ausgleichen muss.

Wie sichere ich meine Kryptowährungen?

Wer nun kurz vor einem Scheidungsverfahren voller Trauer auf das eigene Depot schaut, dem sei gesagt, dass ein Zugewinnausgleich grundsätzlich nur auf Antrag eines Ehegatten stattfindet. Wenn sich die Ehegatten also im Guten trennen oder beide keinen Grund für einen Antrag sehen, dann wird der Ausgleich auch nicht errechnet bzw. durchgeführt. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass beide trotz einer angespannten Trennungssituation auf dieses Vorgehen verzichten

Der effektivste Weg, um das eigene Vermögen zu schützen, bleibt jedoch der Ehevertrag. Dieser kann vor oder auch während der Ehe zwischen dem Paar geschlossen werden. Darin können die Folgen einer möglichen Scheidung umfassend geregelt werden, aber auch die Gestaltung des Zusammenlebens in der Ehe kann Gegenstand des Ehevertrages sein.

Insbesondere das Kryptodepot kann verbindlich aus dem Zugewinnausgleich bereits im Voraus ausgeschlossen werden. Damit bleibt das Depot im Scheidungsverfahren vollkommen außer Betracht. Hierbei ist zu beachten, dass der Ehevertrag notariell beurkundet werden muss, um wirksam zu sein.

Wenn eine Scheidung bereits bevorsteht, kann eine Scheidungsfolgevereinbarung getroffen werden. Hier verhält es sich wie mit dem Ehevertrag. Inhaltlich sind dieselben Vereinbarungen möglich. Zudem ist die Beurkundung beim Notar notwendige Voraussetzung. In der Praxis zeigt sich jedoch immer wieder, dass eine Einigung schwierig werden kann, wenn kurz vor dem Scheidungsverfahren Vereinbarungen über die Vermögensaufteilung getroffen werden sollen. Die Situation ist meist zu angespannt, als dass ein sachliches Gespräch möglich wäre.

Alternativ kann der Zugewinnausgleich durch einen gerichtlichen Vergleich modifiziert oder gar ausgeschlossen werden. Auch besteht die Möglichkeit, Kryptowährungen im Rahmen der Berechnung des Zugewinns unberücksichtigt zu lassen.

Fazit: Der Ehevertrag ist besser als sein Ruf

Die Ehe wird gerne als ein Zeichen ewiger Verbundenheit zwischen zwei Menschen gesehen. Jedoch sollte man nicht vergessen, dass sie auch ein Rechtsinstitut darstellt und somit gravierende Konsequenzen für das finanzielle Leben haben kann.

Vor der Ehe sind sich Paare kompromissbereit zugewandt und zeigen mehr Verständnis für die Bedenken des Partners als kurz vor einer Scheidung. Daher ist es empfehlenswert, sich bereits im Voraus mit den Gestaltungsmöglichkeiten der Scheidungsfolgen auseinanderzusetzen. Der schlechte Ruf eines Ehevertrages sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass er durchaus sinnvoll sein kann und Raum für selbstbestimmte Vereinbarungen schafft, die im Zweifel passender für das Ehepaar und dessen Bedürfnisse sind als ein für jedermann geltendes Gesetz.

Portrait Rechtsanwalt Niklas Clamann

Über den Autor

Rechtsanwalt Niklas Clamann betreibt eine Familienrechtskanzlei in Münster (Westf.). Er führt bundesweit das Verfahren der sogenannten Online Scheidung durch. Auf seiner Website können Sie online Ihre Scheidung einreichen.

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