Überspringen zu Hauptinhalt

Trade Republic im Test: ETFs, Sparpläne und Kosten beim Smartphone-Broker

Trade Republic ist ein Smartphone-Only-Broker und erfreut sich insbesondere bei einer jüngeren und kostenbewussten Zielgruppe großer Beliebtheit. Die Vorteile sind schnell zusammengefasst: Kein Papierkram, alles läuft über die Trade-Republic-App, sehr günstige Preis beim Wertpapierhandel auch das kostenlose Besparen von ausgewählten ETFs und Aktien ist möglich. Doch es gibt auch eine Kehrseite. In diesem Artikel habe ich mir Trade Republic unter die Lupe genommen.

Trade Republic, der Online-Broker im Test
Trade Republic bietet unglaublich günstige Konditionen, um aktiv und passiv zu Investieren. Gibt es einen Haken?

Was ist Trade Republic? Und was unterscheidet das FinTech-Unternehmen von anderen Brokern?

Trade Republic ist ein deutscher Online-Broker, über den Nutzer (bislang) ausschließlich via App auf dem Smartphone Wertpapiere handeln können. Du kannst Wertpapiere bereits für 1 Euro online handeln und außerdem aus einer breiten Palette an kostenlosen ETF-Sparplänen und auch Aktien-Sparplänen wählen.

Aktuell gibt es (noch) keine Desktop-Anwendung bei Trade-Republic. Ein Depot beim FinTech-Unternehmens lässt sich ausschließlich mobil via App auf dem Smartphone nutzen und nicht am Laptop über einen Webbrowser. Nach eigenen Aussagen soll die Desktop-Verwaltung in 2021 nachgeliefert werden.

Damit ist der Smartphone-Broker nicht für das aktive Investieren interessant, sondern auch für passive Investoren. Stand heute (Dezember 2020) hat Trade Republic über 1.300 Aktien- und ETF-Sparpläne (darunter 300 ETFs) im Angebot. Diese sind dauerhaft kostenlos ab 10€ besparbar.

Allerdings findet man bei dem Online-Broker nur ETFs von zwei Anbietern. Neben iShares – der Tochterfirma von BlackRock – ist dies WisdomTree. Während WisdomTree verstärkt „exotische“ ETFs mit gehebelten oder Short-Versionen anbietet, deckt iShares nahezu 50 Prozent des ETF-Marktanteils ab. Bist du also als Privatanleger eher an großen, stark diversifizierten Indizes interessiert, solltest du hier auf jeden Fall fündig werden (z.B. bei dem iShares Core MSCI World (Industrienationen) oder dem iShares Core MSCI EM (Schwellenländer)).

Kosten & Gebühren: Wie sind die Konditionen bei Trade Republic?

Die niedrigen Gebühren und Kosten sind auf jeden Fall ein großer Vorteil des FinTech-Unternehmens gegenüber anderen Brokern.

Wenn du mit Wertpapieren handeln möchtest, kostet ein Trade lediglich 1 Euro Fremdkostenpauschale. Anderweitige Kosten fallen bei Trade Republic nicht ab – egal welche Aktie oder welchen ETF du in welcher Höhe kaufen möchtest.

Das Besparen von insgesamt 1.300 ETF oder Aktien-Sparplänen ist sogar komplett kostenlos – bis zu einem Ordervolumen von 5.000€ je Ausführung.

Auch die Depotführung und dein Verrechnungskonto sind kostenlos.

Allerdings gibt es auch Dienstleistungen bei dem FinTech-Unternehmen die Gebühren kosten und die bei anderen Brokern durchaus kostenlos zu haben sind. Beispielweise kosten die Anmeldungen zur Hauptversammlung oder postalische Aufträge je 25€. Auch wenn diese beiden Leistungen für die meisten privaten Anleger eher zu vernachlässigen sein werden, sollte man solche Kosten durchaus im Hinterkopf behalten.

Die relevanten Kosten und Gebühren bei Trade Republic lassen sich dementsprechend schnell und übersichtlich anhand einer Tabelle auflisten:

Orderprovisionkostenfrei
Fremdkostenpauschale

je Handelsgeschäft (ausgenommen Sparpläne), im Falle von Teilausführungen wird nur einmalig je Handelstag die Fremdkostenpauschale berechnet.

1,00 €
Sparplankauf ETF/ Aktie

je Ausführung, Anlagevolumen pro Ausführung: 10 € bis 5.000 €.

kostenfrei
Postalische Auftragserteilung

je Orderaufgabe, -änderung, -streichung

25,00€
Depot- und Verrechnungskonto
DepotführungKostenfrei
Depotübertrag zulasten des Depotskostenfrei
Führung des Verrechnungskontoskostenfrei
Überweisung auf Referenzkonto25,00 €
Pflichtdokumente
Depot- und Kontoauszugkostenfrei
JahressteuerbescheinigungKostenfrei
Depotservice
Aktien DividendenzahlungKostenfrei
ETF Ausschüttung/ ThesaurierungKostenfrei
Anmeldung Hauptversammlung25,00 €

Zu welchen Zeiten lässt sich bei Trade Republic handeln?

Die regulären Handelzeiten bei Trade Republic sind zwischen 7.30 und 23 Uhr über den außerbörslichen Handelsplatz Lang & Schwarz handeln. Ohnehin solltest du jedoch eher zu Handelszeiten der Börse – hier ist die Referenzbörse Xetra – handeln, da der Spread außerhalb der Xetra-Öffnungszeiten beim Online-Broker sich vergrößern kann. Meide den Handel insbesondere vor dem Start der Börse und spät am Abend.

Aus welchen Sparplänen kann ich wählen?

ETFs lassen sich einmal pro Monat, zweimal monatlich oder quartalsweise besparen. Bei monatlicher Ausführung hast du die Wahl, ob du zum Beginn oder ab dem 16. des Monats investierst. Egal welches Intervall oder wie hoch deine Sparrate ist, die ETF-Sparpläne bei dem Online-Broker bleiben kostenlos.

Die Steuerfrage

Beim Thema Steuern hat der deutsche Sitz von Trade Republic Vorteile, denn das Unternehmen kümmert sich um die Abführung ans Finanzamt und stellt eine Jahressteuerbescheinigung in deutscher Sprache aus. Bei US Aktien kümmert sich das FinTech-Unternehmen außerdem um die Reduzierung der Quellensteuer von 30 auf 15 Prozent (gemäß dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den USA).

Nachteile: Was macht Trade Republic schlecht?

Auswahl der Wertpapiere ist begrenzt

Trade Republic ist ein sehr günstiger Broker. Das Geld muss der Broker also an irgendeiner Stelle einsparen. Beispielsweise durch die Reduzierung des Angebots auf 7.300 Aktien und 500 ETFs. Das ist für die meisten Privatanleger natürlich völlig ausreichend. Wer aber Spezialwerte kaufen will, der wird eventuell bei dem Smartphone-Broker nicht fündig.

Wenige Ordertypen

Aktuell kannst du beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren nur zwischen drei Ordertypen wählen: eine Markt-Order, eine Limit-Order und eine Stop-Order. Die beliebte Trailing-Stop-Order oder andere speziellere Ordertypen fehlen. Hier bieten klassische Direktbanken mehr Optionen.

Kundenservice eher mittelmäßig

Während die Kontoeröffnung bei mir weitestgehend reibungslos verlief – ich musste länger als 48 Stunden auf die Aktivierung meines Depots warten – ist es nicht immer einfach, mit dem Broker Kontakt aufzunehmen. Die Firma hat zwar ihren Sitz in Berlin und bietet deutschsprachige Ansprechpartner, aber die Telefonnummer des Brokers (+49 30 5490 6310) ist gut im Impressum versteckt und die Wartezeiten sind mitunter lang.

App-Design vereinfacht das Trading und kann so zu unüberlegten Käufen verführen

Je mehr Trades über Trade Republic ausgeführt werden, desto mehr verdient der Broker auch an seinen Kunden. Dementsprechend ist die App aufgebaut. Der Kauf und Verkauf von Wertpapieren ist wirklich sehr einfach und übersichtlich gestaltet, sodass man zum Trading verführt wird. Gerade für private Investoren ist eine Day-Trading-Mentalität meist schädlich für die Rendite. Bleib also auch bei einem Smartphone-Broker deiner Anlagestrategie treu.

Technische Infrastrukur: Der Neo-Brokers scheint nicht immer zuverlässig zu sein

Bereits einige Male ist die technische Infrastruktur des Brokers in Hochphasen in die Knie gegangen. Beispielsweise konnten Kunden im März 2020 und im Januar 2021 wegen „außerordentlichen Überlastungen der angebundenen Handelsplätze“ die Trading-App nicht wie gewohnt nutzen. Sowohl der Standard-Handelsplatz LS Exchange als auch der Backup-Handelsplatz Tradegate waren zeitweise überfordert gewesen und konnten keine Orders platzieren. “Wir waren heute wie viele andere Brokern in den USA, in Europa und Deutschland davon betroffen, dass die Systeme dem außerordentlichen Ordervolumen und der Volatilität nicht standhalten konnten”, rechtfertigte sich Trade-Republic-Gründer Christian Hecker im Interview mit Finance Forward.

Der Fall GameStop: Einschränkung des Marktzugangs für Privatanleger

Am 28. Januar 2021 schränkte Trade Republic den Handel der Aktien von GameStop, der Kinokette AMC, von BlackBerry und Nokia sowie der Firmen Express Inc. und Bed Bath & Beyond Inc. ein. Stundenlang konnte man diese Aktien nur noch verkaufen, jedoch nicht mehr kaufen. Diese Aktien seien “aktuell Gegenstand von heftigen, koordinierten Kursspekulationen”, schrieb der Berliner Neo-Broker. “Wegen der damit verbundenen Risiken für Dich nehmen wir bis auf weiteres keine neuen Aufträge zum Kauf dieser Aktien an.” Einen Tag später hob Trade Republic das Kaufverbot wieder auf. Dennoch brach bereits am 28. Januar ein gewaltiger Shitstorm über den Berliner Neo-Broker herein. Es besteht der Verdacht, dass Trade Republic institutionelle Investoren schützt und Privatanlegern den Marktzugang strategisch verwehrt hat. Der Broker hat seitdem mit einem extremen Vertrauensverlust zu kämpfen und fraglich ist, ob dies ein Einzelfall bleibt.

Benutzerfreundlichkeit der App

Insgesamt ist die App sehr klar und übersichtlich gestaltet und auf das Wesentliche reduziert. Dieser Ansatz macht die App  benutzerfreundlich und perfekt für einen Smartphone-Only-Depot. Gleichzeitig vermisst ich einige Einstellungen. Beispielsweise würde ich für meine Watchlist gerne mehr Einstellungsmöglichkeiten als den Tagesverlauf sehen. Auch einige für mich interessante Ordertypen (beispielsweise eine Trailingstop-Order) fehlen. Durch diese Reduziertheit ist es ein Leichtes buchstäblich „von unterwegs aus“ Wertpapiere zu handeln.

Startseite Der Trade Republic App
Die Startseite wird mit einem „Menü-Symbol“ ganz rechts gekennzeichnet, und fasst deine bisherigen Investitionen zusammen. Hier findest du auch eine Watchlist. Beide Darstellungen sind sehr einfach gehalten.
Suche Bei Der Trade Republic App
Über die Suche (Lupen-Symbol) kannst du nach Wertpapieren suchen
Orderbuch Der App
Dein Orderbuch findest du hinter dem Buch-Icon. Dort werden dir alle noch ausstehenden angezeigt.
Profilansicht Der App
In deinem Profil findest du neben deinen letzten Transaktionen die „Einstellungen“. In den Einstellungen kannst du deine persönlichen Daten ändern, Freistellungsaufträge erstellen oder einen Depotübertrag beantragen.

Wie funktioniert der Depotübertrag und Wertpapierübertrag bei Trade Republic?

Du kannst deine Wertpapiere von deinem aktuellen Broker zu Trade Republic kostenlos übertragen. In der App rufst du die Einstellungen auf (Zahnradsymbol in deinem Profil). Dort findest du das Formular zum Depotübertrag zum Download. Dieses musst du Ausfüllen und an deinen aktuellen Broker senden.

Achtung:

Alle Wertpapiere, die du nach Trade Republic überträgst, müssen auch dort handelbar sein. Da Trade Republic nur ein begrenztes Portfolio an Wertpapieren anbietet, ist das keine Selbstverständlichkeit. Außerdem kannst du während des Depotübertrags, die zu übertragenen Wertpapiere nicht handeln. Ein Depotübertrag dauert in der Regel zwischen zwei und vier Wochen.

Wie kann sich Trade Republic mit so niedrigen Gebühren finanzieren?

Auch ein Smartphone-Broker will mit seinem Geschäftsmodell Geld verdienen. Aber wie geht das, wenn lediglich 1,-€ Fremdkosten in Rechnung gestellt werden?

Trade Republic selbst schreibt dazu: „Wie viele andere Broker auch, erhalten wie Rückvergütungen von Handelspartnern.

Der Broker verdient also sein Geld zum einen über die 1,- € Fremdkostenpauschale und zum anderen über Rückvergütungen der Börse Lang & Schwarz. (Andere Börsenplätze werden nicht angeboten). Nach Informationen des Handelsblatts sind das bis zu 3,- € je Transaktion. Das ist im Vergleich zu den Einnahmen der Wettbewerber, die deutlich höhere Gebühren verlangen, nicht sonderlich viel. Trade Republic ist also darauf angewiesen das viel gehandelt wird, und dementsprechend ist die App auch gestaltet.

Außerdem spart der Online-Broker mit der fehlenden Web-Anwendung. Zusätzlich spart beim Kundenservice. Hier erhältst du nicht den Service einer typischen Direktbank oder gar einer Filialbank.

Die Vor- und Nachteile des FinTech-Unternehmens im Überblick

Die Stärken von Trade Republic

  • Sehr niedrige Gebühren
  • Nutzerfreundliche und übersichtliche App
  • Preis- und Leistungsverzeichnis ist leicht verständlich und kurz
  • Volle Banklizenz und somit Beaufsichtigung durch Bundesbank und BaFin
  • Deutscher Broker, BaFin reguliert, Einlagensicherung

Die Schwächen von Trade Republic

  • Einfache und schnelle Bedienung verführt zum Spekulieren
  • Beschränkung auf 7.300 Aktien und 500 ETFs
  • Fehlende Desktop-Version, Anwendung (aktuell) nur via Smartphone-App
  • Wenige Orderzusätze
  • Technische Infrastruktur in hochvolatilen Marktphasen nicht immer zuverlässig
  • (Fall GameStop: Der Neo-Broker hat bereits den Marktzugang seiner Kunden begrenzt. Ein Einzelfall?)

*Dieser Artikel enthält Freunde-werben-Freunde Links. Wenn du zur Eröffnung eines Trade Republic Depots den Link in diesem Artikel nutzt, unterstützt du diesen Blog und erhältst zusätzlich eine Prämie.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Hallo, der Artikel enthält eine Fehlinformation. Die drei Euro von denen du sprichst, entstehen nicht durch den Spread, sondern durch die Rückvergütung vom Handelsplatz sowie dem 1€ Gebühr. Der Spread ist nur für den Handelsplatz interessant, und während der xetra Öffnungszeiten an deren Spread gebunden.

    1. Lieber Mirco,
      da ist mir tatsächlich ein Fehler unterlaufen. Ich habe ihn direkt korrigiert!
      Vielen Dank für den Hinweis und liebe Grüße!

  2. Cool, dass du die negativen Seiten des Brokers nicht unterschlägst.
    Ich habe seit 3 Monaten mein Depot bei TR und bin zufrieden, auch wenn mich dieser Gamestop-Fall schon stutzig gemacht hat.
    Gruß M

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

An den Anfang scrollen