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Sollte ich trotz Schulden in ETFs oder Aktien investieren?

In fast jedem Fall ist es sinnvoll, das Schuldenkarussell so schnell wie möglich zu verlassen. Schulden sind ein garantiertes Minusgeschäft. Es gibt aber auch Fälle, in denen sich das Investieren trotz Schulden lohnen kann. 

Konsumschulden vermeiden

Was sind Investitionsschulden (gute Schulden)?

Investitionsschulden (oder gute Schulden) sind Investitionen in deine Zukunft. Du nimmst sie auf, um später etwas dafür zurück zu bekommen – mit dem Ziel später mehr zu haben als vor der Investition.

Zu dieser Kategorie zählt z.B. ein Studienkredit, mit dem du deinen Master bezahlst. Gründerkredite ermöglichen z.B. die Finanzierung eines größeren Vorhabens. Auch ein Kredit für den Kauf einer Immobilie kann gute Schulden bedeuten, wenn man damit für die Zukunft vorsorgt.

Sich „gut“ zu verschulden bedeutet, in der Gegenwart fremdes Geld so zu investieren, dass man in der Zukunft davon profitiert.

Was sind Konsumschulden (schlechte Schulden)?

Konsumschulden (oder schlechte Schulden) sind meist kurzfristig und dein Kauf verliert schnell und langfristig an Wert. Schlechte Schulden finanzieren Dinge auf Kosten deiner Zukunft.

Der teure Neuwagen ist so ein Beispiel dafür. Denn ein Neuwagen für den privaten Gebrauch hat bereits Minuten nach dem Kauf einen großen Teil seines Werts verloren. Das Gleiche gilt für den Urlaub, den du mit einem Ratenkredit finanzieren musst. Oder der Flatscreen-Fernseher, den du per Kredit kaufst.

Sich „schlecht“ zu verschulden bedeutet, kurzfristige Annehmlichkeiten auf Kosten deine Zukunft zu erkaufen. Du verschleuderst Geld, das du nicht hast.

Das Problem mit Krediten

Kredite sind schnell aufgenommen, kommen den Schuldner dafür aber umso teurer zu stehen. Beim Dispokredit, also beim Überziehen deines Girokontos, können jährlich Zinsen 7-16 Prozent betragen. Wer über fünf Jahre fortlaufend zu 16 Prozent sein Konto überzieht, zahlt fast doppelt so viel an Zinsen an die Bank, als er sich ursprünglich geliehen hat.

Investoren träumen von solchen Renditen.

Auch sogenannte Null-Prozent-Finanzierungen sind gefährlich. Sie kaschieren nicht selten überteuerte Preise und verleiten dich dazu Dinge zu kaufen, die du dir nicht leisten kannst. Kannst du dir ein Produkt nicht ohne Kredit leisten, kannst du es dir gar nicht leisten.

So Schnell wie möglich schuldenfrei werden

Vor allem schlechte Schulden solltest du also so schnell wie möglich abbauen.

Schritt 1: Schulden Analysieren

Als erstes musst du dir einen Überblick über deine Schulden verschaffen. Liste deine Kredite nach Höhe der Zinsen (die höchsten zuerst) auf und notiere die monatlichen Rückzahlungsraten.

Schritt 2: Schulden umschichten

Zahlst du extrem hohe Zinsen auf einige deiner Kredite? Beispielsweise einen Dispokredit über 10%? Dann informiere dich bei deiner Bank, ob du Schulden zusammenfassen bzw. “umschichten” kannst. Bei einigen Banken kannst du deinen Dispo auf dem Konto reduzieren und in einen etwas günstigeren Ratenkredit umwandeln.

Schritt 3: Setze einen Schulden-Sparplan auf

Verpasse auf keinen Fall deine Ratenzahlungen. Sonst drohen weitere Gebühren und deine Schuldenlast verlängert sich. Setze einen Schulden-Sparplan auf, mit dem du sichergehen kannst, deine monatlichen Raten zu decken. Automatisiere außerdem deinen Sparverhalten.

Richte einen Dauerauftrag über deine Kredit-Rate zum Beispiel auf dein Tagesgeldkonto ein. So garantierst du, dass deine monatliche Ratenzahlung nicht deinem Konsum zum Opfer fällt.

Schritt 4: Nutze Sondertilgungen, wann immer möglich

Einige Banken gewähren ihren Kunden Sondertilgungsrechte, durch die du auf einen Schlag mehr als die festgesetzte Rate zurückzahlen kannst.

Solche Gelegenheiten zur Rückzahlung von Schulden solltest du immer nutzen – wenn möglich. So verkürzt du den Zeitraum deiner Zinszahlungen, zahlst insgesamt weniger Zinsen und wirst deine Schuldenlast schneller los.

Häufig erhältst du die Möglichkeit von Sondertilgungen in planbaren Zeiträumen. Nutze zum Beispiel Boni bei deinem Job, das Weihnachtsgeld oder die Einkommensteuer-Rückzahlung dafür.

Schritt 4: Bleib schuldenfrei

Hast du deine Schulden einmal beglichen, solltest du alles daransetzen, dich nicht erneut zu verschulden. Ein Notgroschen auf deinem Tagesgeldkonto hilft dir, hohen Kreditzinsen von vornherein aus dem Weg zu gehen.

Solltest du trotz Schulden investieren?

In Kurz: Nein

Natürlich gibt es Einzelfälle, in denen wagemutige Investoren mit spekulativen Investments in kürzester Zeit schuldenfrei wurden. Doch das sind absolute Einzelfälle, die viel mit Glück und Zufall zu tun haben. Es gibt genug Gegenbeispiele, die zeigen, wie übel solche Strategien schiefgehen können.

In fast jedem Fall ist es sinnvoll, das Schuldenkarussell so schnell wie möglich zu verlassen. Denn Schulden sind ein garantiertes Minusgeschäft.

Legst du parallel zu deinen Schulden Geld an, kannst du damit natürlich Rendite erzielen. Diese Rendite kann theoretisch auch höher sein als der Betrag, den du durch einen schnelleren Schuldenabbau sparst.

Das ist aber reine Spekulation. Zwar kannst du von einer jährlichen Rendite von 5-7% bei einem ETF-Sparplan ausgehen; jedoch gilt dies nur durchschnittlich für einen langen Anlagezeitraum von mindestens 15 Jahren.

In einer solchen Zeit kann ein unvorhergesehenes Ereignis wie ein Jobverlust, ein Motorschaden oder Immobilienschaden, dich dazu zwingen noch höhere Schulden zu machen oder dein investiertes Vermögen zu einem schlechten Kurs zu verkaufen.

Zum Vergleich

Ein üblicher Dispozins beträgt bereits 10% im Jahr und deine realisierten Kursgewinne (5-7% im Jahr) musst du mit rund 26% versteuern.

Zweitens addieren sich durch die längere Laufzeit deines Kredits die Anzahl der Zinsraten, die du insgesamt für den Kredit bezahlst.

Im Allgemeinen ist es also sinnvoller, erst zu investieren, wenn du schuldenfrei bist. Du solltest nur Geld investieren, dass du auch zur freien Verfügung hast.

Wann macht das Investieren trotz Schulden Sinn?

Etwas anders sieht es aus, wenn es sich um „gute Schulden“ und Kredite mit sehr langer Laufzeit handelt. Ein Immobilienkredit zahlt man zum Beispiel in aller Regel länger als 15 Jahre ab. In diesem Fall solltest du prüfen:

  • Wie hoch sind die Zinsen?
  • Wie lang ist die Laufzeit?
  • Kannst du deine monatlichen Ratenzahlungen ohne Probleme bestreiten?
  • Gibt es die Möglichkeit für Sondertilgungen?  Hast du deine Sondertilgungssätze ausgeschöpft?

Erst wenn du nach deinen Raten und Sondertilgungen noch zusätzliches Vermögen zu Verfügung hast, lohnt es sich, diesen Überhang zu investieren.

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