Überspringen zu Hauptinhalt

Wie funktioniert Daytrading? Risiken und Chancen einfach erklärt.

Das Daytrading ist durch zahlreiche Filme und Social-Media zu einem berüchtigten Image gekommen. Einerseits wird die Hoffnung auf das schnelle Geld geschürt, andererseits sind mit dem Trading auch großen Risiken verbunden. In diesem Artikel helfe ich dir dabei, das Thema (Day-)Trading besser zu verstehen und welche Chancen und Risiken mit dieser Anlagestrategie verbunden sind.

Daytrading erklärt. Mann sitzt vor einem Laptop, auf dem Börsenkurse angezeigt werden. Er ist Trader.
Daytrader investieren viel Zeit, um mit kurzfristigen Trades auch von geringen Kursschwankungen zu profitieren.

Was ist Daytrading (einfach erklärt)?

Trading beschreibt den Kauf und das kurzzeitige Halten von Wertpapieren. Ein sogenannter Daytrader kauft also Wertpapiere und verkauft diese innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums, meist innerhalb eines Tages. Das Ziel dieser Strategie ist es, mit den relativ geringen täglichen Kursschwankungen Gewinn zu erzielen.

Um auch mit geringen Kursschwankungen hohe Gewinne erzielen zu können, hat ein Anleger zwei Möglichkeiten. Zum einen kann er sehr hohen Summen investieren und zum anderen kann er bestimmte Finanzprodukte nutzen, um auch mit einem geringeren Einsatz hohe Rendite zu erzielen.

Für letzteres kann ein Trader Finanzprodukte mit sogenannten „Hebeln“ (leverage) nutzen. Mit solchen Hebeln leiht sich ein Trader in einem festgelegten Verhältnis zu seinem Einsatz zusätzlich Geld bei seinem Broker. Ein Hebel von 1:5 bedeutet zum Beispiel, dass er nur 1/5 eigenes Geld für den Wertpapierhandel einsetzt. Die restlichen 4/5 leiht er sich als kurzfristigen Kredit von seinem Broker.

Mit einem Hebel kann ein Trader also beispielsweise fünf Mal mehr Geld investieren, als ihm mit eigenen Mitteln zur Verfügung stünde. Steigt ein Wertpapier dann um nur 2 %, hat der Trader durch den Hebel von 1:5 einen Gewinn von 10 % erzielt. Auf der anderen Seite steigt auch das Risiko für einen Verlust. Verzeichnet das Wertpapier einen Kursrückgang von 2 % aber auch einen Verlust von 10 %.

Welche Finanzprodukte nutzen Daytrader?

Hebel werden in der Praxis häufig mit sogenannten Derivaten abgebildet.

Was sind Derivate? 

Ein Derivat ist ein gegenseitiger Vertrag zwischen einem Anleger (oder Trader) und seinem Broker, dessen Wert sich von einem Basiswert ableitet (to derivate = ableiten). Basiswerte können klassische Wertpapiere (Aktien, Anleihen, Indizes, Rohstoffe und Devisen) sein.

Konservativ lassen sich Wertpapiere mit Derivaten im 1:1 Verhältnis (Index-Zertifikat) kaufen oder spekulativ mit Hebelwirkung (z.B. Hebelzertifikate).

Damit lassen sich Derivate einsetzen zur:

  • Absicherung gegen Risiken und Preisschwankungen
  • Spekulation auf Basiswert in Kombination mit Hebeln
  • Investition in Indizes oder Rohstoffe

Ein Großteil der Daytrader ist auf dem Markt für Währungen (Devisenmarkt, oder “Foreign Exchange Market”) unterwegs. Dort spekulieren sie auf den Wertsteigerung und den Wertverfall von Währungen, beispielsweise dass der Wert des Euros im Vergleich zum US-Dollar steigt. Der Währungsmarkt ist so attraktiv für Trader, weil er mit einem täglichen Handelsvolumen von bis zu 2 Billionen Dollar der größte Finanzmarkt weltweit ist und hier rund um die Uhr 7 Tagen in der Woche gehandelt werden kann.

Welche Anlagestrategien nutzen Daytrader?

An der Börse gibt es die Möglichkeit, sowohl von steigenden als auch von fallenden Kursen zu profitieren. Diese beiden Möglichkeiten werden auch long- oder short-position genannt.

  • Eine „Long”Position bedeutet, dass du von steigenden Kursen profitierst
  • Eine „Short”Position bedeutet, dass du von fallenden Kursen profitierst.

Die meisten Privatanleger an der Börse nehmen Long-Positionen ein. Sie profitieren, wenn Kurse steigen. “Short”-Positionen sind hingegen weniger üblich und zumindest bei Privatanlegern deutlich weniger verbreitet, auch weil sie auf den ersten Blick kompliziert und schwer zu verstehen sind.

Sogenannten “Shortseller” kaufen Wertpapiere nicht direkt. Sie leihen sich für einen festgelegten Zeitraum Wertpapiere und verkaufen diese sofort wieder. Auch wenn der Shortseller das geliehene Wertpapier bereits verkauft hat, muss er dieses zum festgelegten Zeitraum wieder zurückgeben. Er kauft also das Wertpapier zu einem späteren Zeitpunkt wieder ein. Sinkt der Kurs des Wertpapiers während der Leihdauer, kann der Shortseller das Wertpapier am Markt günstiger wieder einkaufen. Er kann also das geliehene Wertpapier günstiger zurückgeben, als er es zuvor eingekauft haben. Die Differenz daraus ist der Gewinn des Trades.

Weil ein Shortseller eine Aktie verkauft, die eigentlich (noch) gar nicht besitzt, werden solche Verkäufe auch “Leerverkäufe” genannt.

Trader konzentrieren sich dabei häufig auf bestimmte Ereignisse, welche den Kurs eines Wertpapiers kurzzeitig nach oben oder nach unten anspringen lässt. Solche Ereignisse können z.B. bei Unternehmen die Bekanntgabe von Quartalszahlen, bei Währungen politische Entscheidungen oder bei Rohstoffen Wetterphänomene sein.

Hierbei versucht der Trader “schlauer” als der Markt zu sein und wettet auf besonders gute oder besonders schlechte Nachrichten. Erwartet der Trader gute Nachrichten, die in einem Wertpapier noch nicht eingepreist sind, geht er eine Long-Position ein. Erwartet der Trader dagegen schlechte Nachrichten, kauft er eine Short-Position.

Wie sicher ist Trading? Welche Chancen und Risiken gibt es?

Daytrader werden nicht selten als schillernde Gestalten dargestellt, die schlauer sind als ihre Konkurrenz und die mit wenigen Klicks zu großem Reichtum kommen.

Und tatsächlich lassen sich durch Hebelprodukte mit wenig Anfangskapital große Gewinne erzielen. Gleichzeitig sind die Einstiegshürden sehr gering. Prinzipiell kann jeder zum Trader werden, der ein Tradingkonto bei einem Broker besitzt.

Nach dem magischen Dreieck der Geldanlage solltest du dir aber immer bewusst sein, dass mit hohen Renditeerwartungen auch ein entsprechendes Risiko einhergeht. Wenn du dich als Trader versuchen willst, solltest du dir über diese Risiken bewusst sein.

Du solltest dir bewusst sein, dass der Trading-Markt ein Markt mit einem extrem starken Wettbewerb ist. Als Privatperson trittst du also gegen ganze Institutionen wie Banken und professionelle Trader an, die viel Erfahrung und Zeit (im Rahmen einer Vollzeitanstellung) investieren. Durch ihre institutionellen Verbindungen oder durch exklusive Quellen haben diese in der Regel einen Informationsvorsprung gegenüber Privatpersonen. Außerdem sind diese Player ausgestattet mit extrem schnellen Internetverbindungen oder automatisierten Handelssystemen. Denn insbesondere beim Daytrading können kleinste Verzögerungen Kauf und Verkauf von großer Bedeutung sein.

Außerdem fallen bei jedem Kauf und Verkauf von Wertpapieren Transaktionsgebühren an, die bei einer Vielzahl von Trades zu einer beträchtlichen Summe anwachsen können. Diese Kosten musst du als Daytrader im Blick behalten und mit deinen Gewinnen erstmal wieder reinholen.

Immer wenn es um hohe Gewinnerwartungen geht, solltest du auch das Suchtpotenzial nicht unterschätzen. Ähnlich wie bei einer Spielsucht kann auch das Spekulieren mit Wertpapieren Menschen stark in seinen Bann ziehen und Existenzen zerstören.

Ist das Daytrading einen eine Alternative zum langfristigen (passiven) Investieren?

Trading ist das genaue Gegenteil zum passiven Investieren. Trader können aufgrund des geringen Anlagezeitraums nicht von dem stetigen Wirtschaftswachstum profitieren, sondern wollen kurzfristige Kursschwankungen nutzen. Das ist mit einem sehr großen Risiko verbunden. Mit Hebel-Produkten kannst du nicht nur deinen Einsatz verlieren, sondern dich zusätzlich stark verschulden.

Als Daytrader musst du viel Zeit (und Nerven) investieren, um im starken Wettbewerb zu bestehen. Schon ein normaler Job nebenher kann zu einer starken Belastung werden. Für Privatpersonen ist damit das Daytrading damit eher nicht geeignet.

Falls du dich fürs passive Investieren interessiert, hier entlang.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

An den Anfang scrollen