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Value- und Growth-Aktien: Substanz gegen Wachstum

Was sind Value- und Growth-Aktien und welche Vor- und Nachteile haben die beiden Anlageklassen? Dieser Beitrag erklärt dir die beiden Anlagestrategien und welche Schwerpunkte diese in deinem Portfolio setzen können.

Symbolbild: Feld mit zahlreichen Gräsern
Am Aktienmarkt sind unzählige Unternehmen gelistet. Anlagekategorien können für Ordnung sorgen. Wie unterscheiden sich Value- und Growth-Aktien?

Was sind Value- und Growth-Aktien (einfach erklärt)

Alle Aktien lassen sich in zwei grundlegende Kategorien unterteilen:

  • Value-Aktien (Substanzwerte)
  • Growth-Aktien (Wachstumswerte)

Was zeichnet Value-Aktien aus und was ist eine Value-Strategie?

Value-Aktien (Substanzwerte) sind Unternehmen, die sich durch einen inneren Wert (“Value”) auszeichnen. Sie haben entsprechende Vermögenswerte, seien es Maschinen, Immobilien, Patente, Vorräte oder andere Vermögensgegenstände. Solche Unternehmen weisen meist eine gute Marktposition, überdurchschnittliche Profitabilität und eine stabile Gewinnentwicklung auf.

Hinter der Value-Strategie steckt die Idee, an der Börse Unternehmen zu finden, deren wahrer Wert nicht im Aktienkurs eingepreist ist oder noch im Verborgenen schlummert. Ein sogenannter Value-Investor spekuliert darauf, dass der Markt die Werthaltigkeit eines Unternehmens aus welchem Grund auch immer noch nicht erkannt hat und in nächster Zeit der Aktienkurs des Unternehmens entsprechend steigt.

Die Grundlage für diese Einschätzung ist intensive Recherche, Marktkenntnis, das richtige Interpretieren von Kennzahlen und Erfahrung. Der bekannteste Value-Investor ist wahrscheinlich Warren Buffett, der dieser Aufgabe seine gesamte Lebenszeit gewidmet hat.

Typische Substanzwerte kommen meist aus den klassischen Branchen Automobil, Finanzen oder Stahl. Die größten Value-Unternehmen aus dem MSCI-World sind z.B. General Electric, Exxon Mobile, Microsoft oder JP Morgan. Diese Unternehmen sind auch dafür bekannt, hohe Dividenden auszuschütten. Das Value-Investing ist aber trotz einiger Gemeinsamkeiten nicht gleichbedeutend mit der Dividendenstrategie.

Merksatz zur Value-Strategie:

“Ich kaufe einen Dollar zu einem Preis von 25 Cent, weil ich der Überzeugung bin, dass der Dollar-Preis in naher Zukunft wieder auf einen Dollar steigen wird (also auf seinen eigentlichen Wert).”

Was zeichnet Growth-Aktien aus und was ist eine Growth-Strategie?

Wie der Name Growth (oder Wachstum) schon sagt, weisen Growth-Unternehmen ein überdurchschnittliches Wachstum auf, das über dem Marktdurchschnitt liegt.

Das führt dazu, dass Growth-Aktien mehr mediale Aufmerksamkeit zukommt und diese bei Investoren in der Regel beliebter sind als typische Value-Aktien.

Growth-Aktien sind in aller Regel hoch bewertet – weisen also ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf – und erwirtschaften einen verhältnismäßig niedrigen Gewinn, weil sie sehr viel Kapital in ihr Wachstum investieren. Growth-Unternehmen sind dementsprechend dafür bekannt, eine niedrige oder gar keine Dividende auszuschütten.

Anders als der Value-Ansatz zielt eine Growth-Strategie weniger auf die Analyse von Einzelunternehmen ab, sondern betrachtet eher ganze Branchen. Ein Growth-Investor versucht, frühzeitig zukünftige Wachstumsmärkte zu erkennen und jene Unternehmen auszuwählen, die in Zukunft am stärksten wachsen könnten.

Das heißt nicht zwangsläufig, dass Growth-Aktien kleine Unternehmen oder “Newcomer” sind. Vielmehr sind die bekanntesten Growth-Aktien jene Unternehmen, die sich schon früh größere Anteile an einem boomenden Markt sichern konnten und von ihrer relativen Größe profitieren. Beispielsweise stammen viele Wachstumswerte aus der Technologiebranche, wie zum Beispiel Apple, Google, Netflix oder Facebook.

Mit der Growth-Strategie erzielt ein Investor oft Gewinne erzielt, ohne dass ein Unternehmen hohe Gewinn oder überhaupt Gewinne erzielt. Umso wichtiger ist es für einen erfolgreichen Growth-Investor, eine Aktie systematisch abzustoßen, sobald das Unternehmen seine Wachstumshoffnungen enttäuscht. Hier liegt also auch das große Risiko bei der Growth-Strategie. Kann ein Unternehmen nicht mit überdurchschnittlichem Wachstum glänzen, sind Kursverluste im zweistelligen Bereich nicht unüblich.

Merksatz zur Growth-Strategie:

Ich kaufe einen Dollar zu einem Preis von einem Dollar, weil ich der Überzeugung bin, dass sich der Dollar-Preis in naher Zukunft verdoppelt.

Value- und Growth-Aktien im Vergleich

Die meisten Investoren bevorzugen Growth-Aktien, da diese in den Medien häufig präsenter und ihre Wachstumsgeschichte bekannter ist. Häufig werden typische Growth-Aktien wie z. B. von Apple oder Facebook als (zukunfts-)sicherer eingeschätzt als typische Value-Aktien. Jedoch bedeutet großes Wachstum in der Vergangenheit nicht, dass es in Zukunft genauso weitergehen muss.

AktienartGrowth-AktieValue-Aktie
Wachstumhochniedrig
Kurs-Gewinn-Verhältnishochniedrig
Gewinne (Cashflow)niedrighoch
Dividendeniedrig / bis keinehoch
Prestigehochgering

In der Praxis sind die Grenzen zwischen Value- und Growth-Titeln fließend. So kann eine Wachstumsaktie durch einen Strategiewechsel des Unternehmens, Gewinne über einen langen Zeitraum verfestigen und so zur Substanzaktie werden. Außerdem lässt sich nicht jedes Unternehmen klar in eine der zwei Kategorien einordnen und strikt abgrenzen.

Und welche Aktienklasse ist die beste?

Diese Frage kann man mit einem klaren “weder noch” beantworten. Beide Strategien haben Vor- und Nachteile und können beide Gewinne, aber auch Verluste erwirtschaften. Studien haben sogar ergeben, dass sich die Erfolge der beiden Anlagestrategien auf ganz lange Sicht etwa die Waage halten.

Die Entscheidung zwischen Value- und Growth-Werten kommt also auf deine Zielsetzung an. Möchtest du regelmäßige Dividenden erhalten, sind Substanzwerte eine gute Wahl. Möchtest du sehr langfristig investieren und Steuerzahlungen bis zum Verkauf deiner Aktien aufschieben, ist eine Wachstumsaktie die bessere Entscheidung.

Auch hier gilt jedoch der Grundsatz der Diversifikation: Es spricht nichts dagegen sowohl Value- als auch Growth-Aktien in dein Portfolio aufzunehmen. So ist dein Portfolio weniger anfällig für Kursschwankungen. Value-Aktien haben in der Vergangenheit zwar höherer Renditen erwirtschaftet, in Krisenzeiten aber auch deutlich mehr Börsenwert verloren als Growth-Aktien.

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