Überspringen zu Hauptinhalt

Wie bewerte ich eine Aktie: Die wichtigsten Aktienkennzahlen

Kennzahlen helfen dir bei der Analyse von Aktien. Sie verschaffen dir einen Überblick und machen Aktien miteinander vergleichbar. Hier zeige ich dir, welche Aktienkennzahlen die wichtigsten für deine Fundamentalanalyse sind, wie diese berechnet werden und wie du sie interpretierst.

Aktienkennzahlen, Charts

Marktkapitalisierung

Bedeutung: Die Marktkapitalisierung zeigt an, wie viel die Anteile, die von einem Unternehmen an der Börse gehandelt werden, wert sind. Marktkapitalisierung ist gleichbedeutend mit dem Börsenwert eines Unternehmens. Diejenigen Anteile, die ein Unternehmen selbst hält (Festbesitz), fließen nicht in die Marktkapitalisierung mit ein.

Interpretation: Aktien mit einer geringen Marktkapitalisierung tendieren zu größeren Kursschwankungen als Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung. Denn ein geringerer Börsenwert kann von starken Käufen oder Verkäufen leichter beeinflusst werden als ein hoher Börsenwert. Aktien von Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung gelten deswegen als eher beständigere Investments.

Für ein Unternehmen selbst spielt der Börsenwert übrigens keine direkte Rolle. Steigende Kurse bringen dem Unternehmen nicht zwingend höhere Umsätze oder Gewinne. Nach einem Börsengang hat der Börsenwert nur einen direkten Effekt auf ein Unternehmen, wenn es Aktien zurückkauft (Kapitalherabsetzung) oder wieder verkauft (Kapitalerhöhung).

Indirekt ist der Börsenwert jedoch von sehr hoher Bedeutung für ein Unternehmen. Ein hoher Börsenwert schützt beispielsweise vor „feindlichen Übernahmen” und erleichtert die Aufnahme von Fremdkapital wie beispielsweise Krediten.

Börsenwert = Wert einer Aktie x Anzahl ausgegebener Aktien

Streubesitz (Free Float)

Bedeutung: Der Streubesitz ist der Anteil der Aktien eines Unternehmens, der ohne Beschränkungen an der Börse gehandelt wird. Dieser Anteil kann also von einer Vielzahl von Anlegern gehalten werden bzw. ist “gestreut” über unterschiedlichste Anleger.

Im Gegensatz dazu gibt es einen Anteil von Aktien, der in “festen Händen” ist, den Festbesitz. Das heißt, sie gehören beispielsweise dem Management, der Muttergesellschaft des Unternehmens, einem Großinvestoren, einem Vermögensverwalter oder einem Investmentfonds. Sie stehen dem freien Markt, zumindest vorläufig, nicht zur Verfügung. 

Interpretation: Je geringer der Streubesitz, desto enger ist der Markt für die frei handelbaren Aktien. Hier können also schon “kleinere” Käufe oder Verkäufe von Aktien genügen, um den Kurs der Aktie nach oben oder unten zu schicken. Häufig tendiert der Aktienkurs von Unternehmen mit geringem Streubesitz zu volatilen Kursbewegungen, da sich sämtliche Auslöser über wenige Anlegern verteilen.

Ein hoher Streubesitz macht Unternehmen aber auch anfällig für Übernahmen. Denn Kleinanleger sind eher bereit, ihre Anteile für attraktive Angebote zu verkaufen.

Umsatz

Bedeutung: Der Umsatz eines Unternehmens zeigt an, wie viel ein Unternehmen in einem bestimmten Zeitraum eingenommen hat – ohne aber die Kosten zu berücksichtigen. Der Umsatz ist also kein Gradmesser für die Effizienz oder die Profitabilität eines Unternehmen, jedoch ein Indikator für dessen Größe.

Interpretation: Das Umsatzwachstum kann ein guter Hinweis für die Entwicklung eines Unternehmens sein. Gerade bei Unternehmen, die (noch) keine Gewinne machen – etwa weil sie alle Gewinne in das eigene Wachstum investieren – ist das Umsatzwachstum hochinteressant. Denn häufig spiegelt der Aktienkurs eines Wachstumsunternehmens die Erwartung des Marktes an dessen Wachstum wider. So kann es passieren, dass der Aktienkurs eines stark wachsendes Unternehmen nach Vermeldung der Quartalszahlen fällt, weil der Markt ein stärkeres Wachstum erwartet hat.

Gewinn

Bedeutung: In der Betriebswirtschaft wird beim Gewinn eines Unternehmens zwischen EBITDA, EBIT und dem Jahresüberschuss unterschieden.

EBITDA

Die Abkürzung steht für earnings before interest, taxes, depreciation and amortization, also für den Gewinn vor Abzug von Zinsen, Steuern, von Abschreibungen für Sachanlagen sowie von Abschreibungen für immaterielle Vermögensgegenstände. Das EBITDA sagt damit noch nicht viel über den tatsächlichen Gewinn eines Unternehmens aus.

EBIT

Bereinigt man das EBITDA um die Abschreibungen erhält man das EBIT und damit die wichtigste Gewinngröße neben dem Jahresüberschuss. Das EBIT wird auch Betriebsergebnis, operativer Gewinn oder operatives Ergebnis genannt.

Jahresüberschuss

Um zum Jahresüberschuss zu kommen wird das EBIT noch um Zinserträge und Zinskosten, sowie um Steuern korrigiert. Der ausgewiesene Jahresüberschuss dient dann für eine Vielzahl weiterer Aktienkennzahlen. Teilt man den Jahresüberschuss beispielsweise durch die Anzahl der Aktien erhält man „das Ergebnis je Aktie“ oder Earnings per Share (EPS).

Interpretation: Neben dem bilanziertem Gewinn der letzten Jahre ist auch das geschätzte Gewinnwachstum interessant. Auch wenn Schätzungen immer mit Unsicherheit behaftet sind, kann das Gewinnwachstum Aufschluss darüber geben, ob du es mit einem schrumpfenden, stagnierenden oder wachsenden Unternehmen zu tun hast.

Eigenkapitalrendite

Bedeutung: Als Aktionär eines Unternehmens unterstützt du ein Unternehmen in Form von Eigenkapital. Im Gegenzug wirst du am Gewinn beteiligt, trägst aber auch das Risiko, wenn das Unternehmen schrumpft oder Verlust macht.

Die Eigenkapitalrendite beschreibt, wie effizient das Unternehmen mit seinem Eigenkapital – also unter anderem mit dem investierten Geld der Aktionäre – umgeht. Die Eigenkapitalrendite wird berechnet, indem der Jahresüberschuss ins Verhältnis zum eingesetzten Eigenkapital gesetzt wird.

Je höher die Eigenkapitalrendite desto rentabler wirtschaftet das Unternehmen mit dem eigenen Kapital, also mit deinem investierten Geld.

Interpretation: Grundsätzlich unterscheiden sich die durchschnittlichen Eigenkapitalrenditen zwischen verschiedenen Branchen enorm. Generell gelten Werte zwischen 20% bis 30% als gut. Interessant wird die Eigenkapitalrendite aber vor allem im Vergleich zwischen Unternehmen derselben Branche. Ist das Eigenkapitalrendite eines Unternehmens deutlich höher als die des anderen Unternehmens in derselben Branche, kann das ein Hinweis sein, dass ersteres deutlich effizienter ist als letzteres Unternehmen.

Das Gegenteil zum Eigenkapital ist das Fremdkapital. Dabei handelt es sich in der Regel um festverzinsliche Kredite, die das Unternehmen zurückzahlen muss – ganz im Gegenteil also zum Kapital, was das Unternehmen bei Aktionären einsammelt.

Eigenkapitalrendite = Jahresüberschuss / Eigenkapital

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das KGV ist wohl die bekannteste und auch die wichtigste Kennzahl für die  Bewertung einer Aktie.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis setzt den Preis, den du für eine Aktie zahlst (= Aktienkurs) ins Verhältnis zu dem Gewinn, der aktuell auf diese Aktie entfällt (= Gewinn pro Aktie).

In anderen Worten gibt das KGV die Anzahl der Jahre an, in denen das Unternehmen bei konstanten aktuellen Gewinnen ihren Börsenwert verdient hätte.

Achtung: Dem KGV liegt in den meisten Fällen der geschätzte Gewinn des laufenden oder des nächsten Jahres zugrunde. Es wird also versucht, der zu erwartenden Gewinnentwicklung des Unternehmens gerecht zu werden. Weil das KGV auf dem geschätztem Jahresüberschuss basiert, ist dieser Wert mit großer Unsicherheit behaftet und in manchen Marktphasen – insbesondere zu Beginn einer Krise oder eines Aufschwungs – sogar unbrauchbar. Gesichert sind also die Kurs-Gewinn-Verhältnisse, die auf dem Gewinn vergangener Geschäftsperioden beruhen. Die Börsenweisheit “An der Börse wird die Zukunft gehandelt” gilt also auch beim KGV.

KGVs um die 15 gelten häufig als „fair bewertet“. Eine verlässliche Grundregel, ab welchem KGV eine Aktie unter oder überbewertet ist, gibt es aber nicht. Denn je nach Branche können die KGVs stark variieren.

Auch Aktien mit KGVs von über 30 müssen nicht „zu teuer“ sein, wenn das Unternehmen ein entsprechendes Gewinnwachstum und Teil einer Wachstumsbranche ist. Auch kann ein Wachstumsunternehmen gerade erst „an der Gewinnschwelle“ stehen und in einem Jahr kaum Gewinn erwirtschaften und dadurch extrem teuer erscheinen. Im nächsten Jahr kann dies aber schon ganz anders aussehen – je nach Geschäftsstrategie.

Auf der anderen Seite kann ein niedriges KGV zuweilen sogar ein Warnzeichen sein, weil der Markt diesem Unternehmen offenbar kaum Chancen zutraut, in Zukunft weiter zu wachsen.

Kurs-Gewinn-Verhältnis = Aktienkurs / Gewinn je Aktie

Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV)

Bedeutung: Das KUV wird nach demselben Prinzip wie das KGV berechnet, nur dass der (geschätzte) Umsatz eines Unternehmens ins Verhältnis zur Marktkapitalisierung gesetzt wird.

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis gibt also an, wie viele Jahre das Unternehmen braucht, um den aktuellen Börsenwert einzunehmen (ohne Produktionskosten, Steuern, Abschreibungen etc.).

Interpretation: Je niedriger der KUV ist, desto „günstiger“ erscheint das Unternehmen bewertet. Jedoch ist das KUV häufig weniger aussagekräftig als das KGV und wird in der Regel nur herangezogen, wenn das betreffende Unternehmen (noch) keinen Gewinn erwirtschaftet und daher das KGV nicht berechnet werden kann.

Aussagekraft hat das KUV hauptsächlich, um Unternehmen derselben Branche miteinander zu vergleichen. Ein branchenübergreifender Vergleich mit dem KUV macht wenig Sinn, denn beispielsweise hat ein Automobilhersteller eher höhere KUVs als beispielsweise Technologieunternehmen.

Kurs-Umsatz-Verhältnis = Marktkapitalisierung / Jahresumsatz

Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)

Bedeutung: Der Buchwert eines Unternehmens beschreibt dessen gesamtes Vermögen, das entweder als Finanzanlage oder Sachwert belegt werden kann. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis setzt diesen Buchwert ins Verhältnis mit der Marktkapitalisierung des Unternehmens, also wie hoch das Unternehmen an der Börse bewertet ist.

Interpretation: Ein KBV von 1 würde bedeuten, dass der Börsenkurs genau den nachweisbaren Buchwert eines Unternehmens abbildet. Eine Kennzahl unter 1 lässt auf eine Unter-, eine über 1 auf eine Überbewertung schließen. Das KBV sagt also weniger über die Effizienz oder Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens aus, sondern eher etwas über dessen Substanz. Deswegen wird das KUV häufig von „Value-Investoren“ zur Analyse genutzt, um Unternehmen aufzuspüren, die unterbewertet sind.

Kaufst du etwas ein Unternehmen, dessen Kurs-Buchwert-Verhältnis unter 1 liegt, erhältst du für 1€ beispielsweise 1,20€ an Unternehmenswert. Da an der Börse aber „die Zukunft gehandelt wird“, erwartet der Markt von einem solchen Unternehmen, dass es in den nächsten Jahren Verluste einfährt und seinen Buchwert verringert.

Kurs-Buchwert-Verhältnis = Aktienkurs / Buchwert je Aktie

Dividendenrendite

Bedeutung: Die Dividendenrendite macht die Dividendenzahlungen verschiedener Unternehmen vergleichbar.

Denn liegt beispielsweise die Dividende eines Unternehmens bei 5 Euro pro Aktie und der Aktienkurs bei 100 Euro (Dividenden-Rendite 5%), ist die erzielte Rendite nicht so hoch wie bei einer Dividende von 1 Euro pro Aktie, wenn der Aktienkurs bei 10 Euro liegt (Dividenden-Rendite 10%).

Die Dividendenrendite gibt also an, wie viel Prozent Rendite du pro investiertem Euro realisieren kannst.

Interpretation: Dass ein Unternehmen eine Dividende zahlen kann, ist nicht selten Ausdruck von finanzieller Stärke. Insbesondere der Verlauf der Dividendenrendite ist interessant. Steigt die Dividendenrendite über einen längeren Zeitraum, deutet das auf ein gesundes und wachsendes Unternehmen hin.

Die Höhe der Dividende ist vor allem für Investoren, die die Dividendenstrategie verfolgen, interessant. Sie wird gern genutzt, um sich über Dividenden passives Einkommen aufbauen wollen.

Dividendenrendite = Dividende / Aktienkurs

Eigenkapitalquote (EKQ)

Bedeutung: Die Eigenkapitalquote gibt an, wie hoch der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital eines Unternehmens ist. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je höher die Eigenkapitalquote, desto weniger ist das Unternehmen verschuldet und desto höher ist die finanzielle Stabilität eines Unternehmens. Oder in anderen Worten: Je höher der Eigenkapitalanteil ist, desto kreditwürdiger, weniger krisenanfällig und unabhängiger ist ein Unternehmen.

  • Eine EKQ von 100% bedeutet, dass das Unternehmen keine Schulden hat und das gesamte Kapital von den Eigenkapitalgebern stammt.
  • Eine EKQ von 0% bedeutet, dass kein Kapital von Eigenkapitalgebern (mehr) vorhanden ist und das Unternehmen komplett auf Krediten aufgebaut ist.

Interpretation: Entgegen der ersten Intuition ist eine EKQ von 100% nicht wünschenswert. Häufig ist es viel rentabler einen günstigen Kredit für eine profitable Investition aufzunehmen, anstatt neues Eigenkapital einzusammeln und den Gewinn mit mehr Anlegern teilen zu müssen.

Die durchschnittliche Eigenkapitalquote ist branchenspezifisch. Je geringer die Anlagenintensität einer Branche, desto weniger Eigenkapital ist erforderlich. Autohersteller beispielsweise brauchen mehr, Technologieunternehmen in der Regel weniger Eigenkapital.

Eigenkapitalquote = Eigenkapital / Bilanzsumme

Dieser Beitrag hat 0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

An den Anfang scrollen